Adalbert Nudera (1746-1811)

Divertimenti

Umfang: 5 Bände
Besetzung: 3 Bhn.
Bearbeitung: Bernhard Kösling
Herausgeber: Musikverlag Hans Jürgen Eckmeier
Schwierigkeit: Fortgeschritten

ISBN 978-3-933172-10-5
ISMN 979-0-700327-27-9

Die Noten sind beim Musikverlag Eckmeier erhältlich.

Adalbert Nudera ist ein wunderbares Beispiel für einen Komponisten über den es viele Vermutungen aber nur wenig gesicherte Tatsachen zu berichten gibt. Leider wird dieser Umstand auch nicht dadurch geändert, dass alle möglichen Autoren und selbsternannte Wissenschaftler über viele Jahre hinweg sich gegenseitig immer wieder selber zitieren. Denn auch hier bestätigt sich die alte Wahrheit, nach der ein permanentes Wiederholen von Fehlern diese nicht verbessert sondern lediglich verbreitet werden. Was bleibt? Alle Angaben über A. Nudera (1746-1811) basieren auf zwei Quellen. Zum einen bei Gerbers Tonkünstler-Lexikon 3. Band, Leipzig, von 1813: „Nudera (Adalbert) Violinist bei dem Kathedralorchester am Wischerad zu Prag ums Jahr 1796, gehört nicht nur unter die guten Spieler seines Instruments, sondern ist auch Komponist mancher wohl aufgenommenen Instrumentalstücke, von denen auch gestochen worden ist: „Andantino avec 8 Variations pour la Clarinette et Fagotte oblig. avec accomp. de 2 Violons, 2 Cors en B. Op.1 Gotha und Petersburg, bei Gerstenberg, 1796.“ Zum Anderen bei G. J. Dlablacz Künstlerlexikon für Böhmen, Prag, von 1815: „Nudera, A., von ihm ist im Jahre 1797 ein Andantino avec VIII variations pour la Clarinette et Fagotte obligées avec l’accompagnement de deux Violons, deux Cors de chasse, et Basse composées, in der Calvischen Buchhandlung in Prag verkauft worden.“ „Nudera, ein Violinspieler an der Kollegialkirche zu St.Peter auf dem Wischerad 1796. Er hat verschiedene Menuette Deutsche Tänze, Sonetten und Trios bekannt gemacht. Auch habe ich ein Te Deum, und einige Litaneien von ihm gesehen.“ Gibt es jetzt einen oder zwei Komponisten gleichen Namens und handelt es sich hier überhaupt um „unseren“ Nudera? Diese Frage sollen Historiker beantworten, denn entscheidend ist in diesem speziellen Fall weniger die Frage nach dem Komponisten als mehr die Frage nach der Musik selbst. Da fällt erst einmal auf: es gibt anscheinend ein Trio aus Bassetthorn-Spielern in Prag um 1800 – in dem Prager Nationalmuseum, aus der das Notenmaterial für die „Divertimenti“ und die „4 Polonaisen con Trio“ stammt, liegen aus dieser Zeit etliche Werke für Bassetthorn-Trio, man kann diese Besetzung als eigenständige Gattung verstehen. Viele dieser Werke sind keine Konzertstücke im heutigen Sinn, sondern verstehen sich als Musik zum Zeitvertreib und Vergnügen bei Gesellschaften oder Festivitäten. Zeitgleich gibt es in Wien das gleiche Phänomen, bei der Musik aus Prag jedoch entwickelt sich eine selbstständige Ironie in der Musik – heute sprechen wir vom böhmischen Witz und wissen, dass es sich hierbei oftmals um den Galgenhumor eines jahrelang unterdrückten Volkes handelt, welches keine andere Möglichkeit des Widerstandes gegen die Obrigkeit hatte als die Satire. Was also bisweilen als naive Einfachheit erscheint, mag oft als Karikatur derselben gemeint sein. Anders als bei Mozart, Stadler und Druschetzki versteht Nudera seine Divertimenti als 5 festgelegte progressive Werke und nicht als lose Sammlung von 25, 18 oder 33 Einzelsätzen, die nach Belieben und Bedarf zusammengestellt werden können und sollen. Bei dieser Neuedition wurde selbstverständlich darauf geachtet, nach bestem Wissen und Gewissen der Originalvorlage in jeder Beziehung so nahe wie möglich zu kommen. Lediglich vereinzelte Bögen wurden bei Parallel- oder Analogstellen ergänzt, diese sind aber leicht zu erkennen, weil sie gestrichelt sind. Im dem „zweiten“ Divertimento fehlt im Originalmaterial beim 2. Bassetthorn der Schluß-Satz, mit sachkundiger Hilfe durch CLARIMONIA war es zum Glück möglich, diesen zu rekonstruieren. Die dieser Edition beiliegende transponierte dritte Bassetthornstimme ermöglicht das Spiel im Trio mit zwei Klarinetten, diese können dann aus den originalen ersten und zweiten Stimmen spielen.

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